SINUS~TON
9. Magdeburger Tage der elektroakustischen Musik
25. - 28. Oktober 2018 | Magdeburg


FOTOSTRECKE SinusTon Festival 2016 (© Edgar Hartung)
VIDEODOKUMENTATION 2017 von Torsten Porstmann



Auftakt mit Ur-Synthesizer

Bereits zum 9. Mal richtet der Magdeburger Musikverein e.V. in Kooperation mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt Magdeburg das Festival „SinusTon – Magdeburger Tage der elektroakustischen Musik“ aus. Vom 25. bis zum 28. Oktober ist an verschiedenen Veranstaltungsorten der Stadt eine große Bandbreite zeitgenössischer Musik zu erleben, die auf elektroakustischer oder eletronischer Klangererzeugung beruht oder sich mit traditionellen Instrumenten und anderen Kunstrichtungen, wie z.B. Film verbindet.

Ein Meilenstein der Filmgeschichte bildet den Auftakt der sechs Konzertveranstaltungen. Der Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ aus dem Jahr 1920, der am 25. Oktober, 20 Uhr, in den OLI-Lichtspielen zu erleben ist, wird live vertont von Peter Pichler am Mixturtrautonium. Bei dem etwa zur selben Zeit wie der Film entwickelten Instrument handelt es sich um einen Vorläufer des Synthesizers. Das elektronische Tasteninstrument bietet außergewöhnliche Möglichkeiten der Soundgestaltung, die in ihrer Wärme und Dynamik bis heute unerreicht sind. Verwendet wurde es u.a. zur Vertonung und Geräuscherzeugung für Alfred Hitchcocks „Die Vögel“. Passend zum Charakter des expressionistischen Filmkunstwerks spielt Pichler Kompositionen von Paul Hindemith, der eigens für dieses Instrument komponierte, Harald Genzmer und aktuellen Komponisten. Mit der Vorstellung dieses überaus selten zu erlebenden Klangerzeugers setzt das SinusTon-Festival seine Reihe mit Präsentationen „historischer“ Instrumente der elektronischen Musik fort.

Ungewöhnliche Besetzung

Musik aus Frankreich ist im Konzert am Freitag, 26. 10., 19.30 Uhr, im Gesellschaftshaus zu erleben. Das Ensemble „Cairn“ aus Montreuil zählt zu den führenden Spezialensembles für zeitgenössische Musik in Frankreich. Elektronische Klangerzeugung, die üblicherweise beim SinusTon-Festival im Mittelpunkt steht, ermöglicht, Klänge vom Einzelton bis zu unendlich vielen Obertönen aufwärts zusammenzusetzen. Allerdings suchen sich Komponisten im 20. und 21. Jahrhundert nicht nur im Bereich Elektronik neue Klänge, sondern verstärkt auch in außereuropäischen Musikkulturen und -instrumenten. Dabei traf die traditionelle Musik Japans immer wieder einen ganz besonderen Nerv. Das Konzert des französischen Ensembles „Cairn“ spielt in einer gemischten Besetzung aus westlichen und japanischen Instrumenten Stücke im Spannungsfeld von neuer, traditioneller und elektronischer Musik. Auffällig bei dem vierköpfigen Ensemble ist die ungewöhnliche Besetzung mit Gesang, Klarinette, Akkordeon und Sho, eine japanische, aus Bambuspfeifen bestehende Mundorgel.
Jazz, Neue Musik, Neue Improvisation (Echtzeitmusik) oder Noise ist der musikalische Background des Quartetts um den Jazzpianisten Stefan Schultze, das ab 21.30 im Gesellschaftshaus zu erleben ist. „Turntables“ heißt das Programm, das Musiker verschiedener Generationen und aus zwei unterschiedlichen und wichtigen Musikmetropolen in Deutschland - Köln und Berlin - vereint. In der Besetzung mit E-Gitarre, Turntables, Live-Elektronik, Klavier und Percussion hat sich jeder der vier Musiker auf seinem Instrument extrem spezialisiert und eine sehr eigene Klangsprache entwickelt. Die Musiker/Komponisten bewegen sich bewusst über Stilgrenzen hinweg und laden Komponisten aus sehr unterschiedlichen stilistischen Backgrounds ein, für dieses spezielle und eigenwillige Ensemble Musik zu schreiben.

Musik und Architektur

Ein Klassiker der Neuen Musik erklingt am Sonnabend ab 19.30 Uhr in der Konzerthalle im Kloster. Die Komposition „La Lontananza Nostalgica Utopica Futura“ von Luigi Nono (1924–1990) ist in einer Zeit entstanden, in der er größtenteils in Berlin gelebt hat.
„La Lontananza Nostalgica Utopica Futura“ wurde damals von den Berliner Festwochen beauftragt und 1988 im Rahmen der Komponistenportraits der Berliner Festwochen uraufgeführt. Überlegungen zum räumlichen Hören, zur Bedeutung des architektonischen Raumes, vor allem zur Ortsspezifik sind in die Raum-Konzeption des Stückes mit eingeflossen. In der Konzerthalle wird ebenfalls der Raum einbezogen, in dem achtkanalige Lautsprecher und die sich durch den Raum bewegende amerikanische Star-Geigerin Miranda Cuckson das Publikum akustisch in den Mittelpunkt rücken. Acht Lautsprecher stehen auch im Zentrum des Werkes „Encounters in the Republic of Heaven“, einer akusmatischen Oper des britischen Komponisten Trevor Wishart, die ab 21.30 Uhr ebenfalls im Kloster Unser Lieben Frauen zu erleben ist.

Märchenklassiker für Kinder

Eine musikalische Version des bekannten Andersen-Märchens „Däumelinchen“ lädt im Familienkonzert am Sonntag, 27. 10., 11 und 15 Uhr, Kinder ab 5 Jahren ins Farnhaus in den Gruson-Gewächshäusern ein. Sandy Gärtner erzählt und spielt die Geschichte, musikalisch begleitet von Jessica Denecke (Gesang) und Ivo Siemonsmeier (Laptop, Gitarre), auch bekannt als Duo Cubehog. Klangpilze wachsen indes im Palmenhaus nebenan. Klangkünstler Oliver Schneller und seine siebenjährige Tochter Auriane haben diese Klangpilze gemeinsam entwickelt und laden die Zuschauerkinder zwischen den beiden Vorstellungen zum gemeinsamen Basteln ein.

Während im KUBUS2025 ab 15 Uhr Lautsprecherkompositionen aus 10 Jahren SinusTon zu erleben sind, gibt es in den Ausstellungsräumen des Kunstmuseums zum Abschluss des Festivals „Sichtbare Klänge“. Eingebettet in die aktuelle Ausstellung „Ambitus – Kunst und Musik heute“ präsentiert das Elektronische Orchester Charlottenburg ab 17 Uhr Musik nach grafischer Notation und führt auf eindrucksvolle Weise Optik und Akustik zusammen.

SinusTon wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt, Lotto Sachsen-Anhalt, der Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen, Impuls Neue Musik, dem Elektronischen Studio der TU Berlin und dem Hotel Ratswaage.

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